Blogparade

Blogger machen Mut! #Blogparade

Heute werde ich über ein Thema geschrieben, welches mich schon seit Jahren betrifft. In der Gesellschaft wird dieses Thema Tod geschwiegen. Im Rahme der Blogparade: „Mein Leben mit/als.. Blogger machen Mut!“ , werde ich zum ersten mal ganz offen darüber schreiben. Lange habe ich überlegt, ob ich wirklich schreiben soll, weil das Thema momentan wieder sehr aktuell ist, aber ich habe es getan, um anderen Mut zu machen.

Mein Leben als Borderlinerin.

Aufwerten statt Abwerten.

Das Leben als Borderlinerin ist nicht leicht und die Gesellschaft ist auch keine Hilfe. Anfangs weiß man nicht, was da mit einem passiert, man zieht sich zurück.

Bei der Borderline-Störung handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität von Emotionen und Stimmung, der Identität sowie zwischenmenschlichen Beziehungen charakterisiert ist. Es handelt sich um ein schwerwiegendes psychiatrisches Krankheitsbild, das auch als emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs bezeichnet wird.
Betroffene erleben sich als Opfer ihrer eigenen heftigen Stimmungs- und Gefühlsschwankungen, was zu extremer innerlicher Anspannung führen kann, die dann als unerträglich und peinigend erlebt wird. Viele setzen selbstschädigende Verhaltensweisen ein, um diese Anspannung zu verringern. Vor allem Schmerz spüren viele während der extremen Spannungsphasen kaum oder nur sehr wenig. Selbstverletzungen, Drogeneinnahmen und hoch riskante Aktivitäten lindern die Anspannung sofort, werden dadurch jedoch rasch zu sucht artigem Problemverhalten. Menschen, die an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden, fühlen sich innerlich zerrissen, haben ein gestörtes Selbstbild und eine gestörte Körperwahrnehmung. Sie leiden unter massiven Ängsten vor dem Alleinsein und instabilen Beziehungen.

Noch immer ist Borderline ein Tabuthema der Gesellschaft, obwohl sie sehr Präsent ist. In Deutschland leiden etwa 1,6 Millionen Menschen daran. Man benötigt Psychologische Hilfe, dadurch wird man direkt als Geisteskrank oder Irre abgestempelt. Dieses Bild hält sich seit Jahrhunderten! In dieser Zeit haben wir gelernt mit Messer und Gabel zu essen, Körperhygiene zu betreiben, haben Autos erfunden, Strom erzeugt, Atomwaffen gebaut und sind 24h Weltweit vernetzt. Trotzdem sieht der Großteil der Gesellschaft, Menschen mit Psychischen Krankheiten als Irre an. Wieso sterilisieren wir sie nicht gleich wieder alle oder verbrennen sie einfach? Bei manchen Dingen Leben wir was die Toleranz angeht noch im Mittelalter. Alles was von der Norm abweicht wollen wir nicht. Was es den Betroffenen um so schwerer macht, ihre Krankheit zu akzeptieren.

Wie ist es nur dazu gekommen?
Wie ist es nur dazu gekommen?

Es gibt viele Faktoren, welche eine Rolle spielen können. Diese alle zu nennen würde den Rahmen sprengen. Deshalb werde ich heute zum ersten mal, ganz offen, ok ganz ist nicht ganz richtig, denn es gibt Dinge,welche einfach nicht an die Öffentlichkeit gehören, aber ich werde meine Geschichte erzählen.
Wann genau alles Anfing kann ich nicht sagen, vielleicht wurde ich schon so geboren. Jedenfalls war ich nie sehr beliebt, zählte zu den grauen Mäuschen, immer ruhig und unscheinbar. Habe mich nie wohl in meiner Haut gefühlt, war unzufrieden mit mir und da gab es ja auch noch diese negative Stimme in meinem Kopf. Zwei harte Schicksalsschläge kurz hintereinander, brachten den fehlenden Stein ins Rollen und ich wurde Depressiv, doch wer weiß mit 12 Jahren schon was Depressionen sind? So blieb es lange Zeit unerkannt, von den wenigen Freunden die ich hatte, begann ich mich immer mehr zu entfernen. Die Einsamkeit wurde mein besten Freund, gefolgt von Tränen und der Stimme in meinem Kopf. Durch Mobbing rutschte ich immer weiter ab. Saß nur noch zuhause, im dunklen, konnte mich selber nicht mehr sehen, flüchtete mich in meinem Traumwelt.
Angefangen mich selbst zu verletzten habe ich durch einen dummen kleinen Zufall. Darauf werde ich nun auch nicht weiter eingehen, da es Tiggernd wirken könnte.
Nach dem ein oder anderem Suizidversuch, ja irgendwann hört man auf zu Zählen und zwei Psychiatrie Aufenthalten, fand ich durch das Internet Anschluss an eine Gruppe gleichgesinnter. Dadurch rutschte ich zuerst noch weiter ab, trank viel zu viel Alkohol trotz zahlreicher Medikamente, doch immer hin war ich nicht mehr allein. Menschen mit der gleichen Krankheit können ein Fluch oder ein Segen sein. Irgendwann saßen wir zusammen und als ich mir meine „Freunde“ so ansah, legte sich wie eine Art Schalter um.

Der Weg ist das Ziel. Doch keiner hat mir gesagt, wie steinig dieser Weg ist.
Der Weg ist das Ziel.
Doch keiner hat mir gesagt, wie steinig dieser Weg ist.

Ich wollte nicht mehr ein Schatten meiner Selbst sein. Ich wollte Leben. Man muss sagen, zu dieser Zeit lernte ich einige neue Leute kennen. Einige Verletzten sich ebenfalls, aber nicht in dem Ausmaß wie ich, andere auch nicht. Aber sie akzeptierten mich. Ich setzte auch eigene Faust meine Medikamente ab, obwohl ich wusste das es nun hieß, friss oder stirbt. Auch hierauf werde ich nicht weiter eingehen. Aber ich bin ehrlich, ich ging durch die Hölle und weiß bis heute nicht wie ich es geschafft habe. Meine Oma hat gesagt, dass Gott noch etwas mit mir Vorhat. Mein Opa hingegen sagte, das sei Quatsch, der Mensch unterschätzt sich und seine Kraft einfach gerne. Denn wenn man etwas will, dann schafft man es auch. Heute denke ich, dass beide auf irgendeine weiße Recht haben. Wobei ich mittlerweile denke, dass ich für Gott ein Versuchskaninchen bin, um zu testen wie viel ein Mensch aushalten kann. Fakt ist aber, ich habe es geschafft, mehr oder weniger, denn geheilt werde ich nie sein. Psychische Krankheiten kann man durch Medikamente behandeln bzw. Unterdrücken oder man akzeptiert sie und lernt mich ihnen zu Leben, so wie ich es tue. Jeder Mensch fällt einmal in ein Loch, doch für Menschen welche Psychische angeschlagen sind, werden diese Löcher immer Tiefer sein. Auch habe ich immer noch diese negative Stimme in meinem Kopf, welche momentan wieder die Überhand übernehmen will, wieso weshalb warum, werde ich ein andermal erzählen, doch bis jetzt bin ich Stark genug um ihr zu sagen, dass sie ihre Klappe halten soll.

Ich bin schön. Ja zu dir selbst.
Ich bin schön.
Ja zu dir selbst.

Nichts desto trotz bleiben die Narben. Sie verblassen zwar, verschwinden werden sie aber nie. Doch das macht nichts, so verrückt es klingen mag, ich trage meine Narben mit Stolz und weiß Gott wie viele genau es sind. Sie gehören zu mir und erinnern mich an meine Stärke, den Kampf den ich gegen mich selbst geführt habe. Doch ich weiß, dass andere Menschen das nicht sehen. Entweder schauen sie schockiert,schütteln den Kopf, manche drehen sich sogar angewidert weg. Das schlimmste was ich je erlebt habe, war eine Mutter. Ihr Sohn setzte sich neben mich auf eine Bank. Erst lächelte die Mutter mich an, dann blickte sie auf meine Arme, schaute entsetzt und zerrte ihr Kind weg. Als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Das sind die Momente, die bis heute noch Weh tun. Leute urteilen, ohne das dahinter zu kennen. Denn diese Frau wusste nicht, dass ich selbst Mutter zweier wundervoller Kinder bin.

Aufklären hilft!
Abwerten Nicht!

Wenn mich meine Kinder irgendwann einmal Fragen, warum ich so viele Narben habe, werde ich ihnen die Wahrheit sagen. Ich werde sagen, das Menschen die so etwas tun krank sind. Sie deshalb aber nicht weniger Wert oder gar schlechte Menschen sind. Denn das sind sie nicht. Auch wenn ich Borderlinerin bin, liebe ich meine Kinder mehr als alles andere auf der Welt. Sie geben mir Kraft und halt. Es erfüllt mein Herz mit soviel Liebe, sie aufwachsen zu sehen und ich tue alles um ihnen eine gute Mutter zu sein. Sie wissen nichts von meiner Krankheit, dazu sind sie noch zu klein, aber ich lasse sie es auch nicht spüren. Sie sollen eine unbeschwerte Kindheit haben und sich keine Sorgen um mich machen. Denn das brauchen sie nicht. Mir geht es gut, ich Lebe mit dieser Krankheit bis an mein Lebensende. Trotzdem bin ich kein schlechter Mensch und schon gar keine Schlechte Mutter.

Vor 2 Tagen hat Maria ihren Beitrag veröffentlicht.
Und in 2 Tagen kommt der Beitrag von Nelli.
Durch das Bild unten könnt ihr auch alle anderen bereits erschienen Beiträge nachlesen. Einfach auf das entsprechende Bild klicken.

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14 Kommentare zu „Blogger machen Mut! #Blogparade

  1. Ein wirklich bewegender Beitrag. Viele deiner Gedankengänge kenne ich selbst. Manche davon nur in abgeschwächter Form.
    Und ich gebe dir recht. Manchmal muss der Mensch viel ertragen, viel mit sich machen lassen, bevor er merkt, was er alles überwinden kann.
    Das Leben hat noch so viel mit uns vor… das darf man nicht vergessen. Es ist alles nur ein Anfang von dem, wo wir das Ende noch nicht kennen.
    Und man sollte die Neugierde nicht verlieren, wissen zu wollen, was am Ende da auf einen wartet.
    Denn irgendwie kann es ja nur besser werden, oder?

    Ganz liebe Grüße
    L.H.P. (Kim)

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  2. Ich wünsche dir alles Liebe und Gute und viel Kraft in deinem weiteren Leben.
    Meine Besuche bei meiner Therapeutin erwähne ich mittlerweile sehr provokant einfach damit die Menschen merken “ Aha auch so eine kann ein psychisches Problem haben“ in der Hoffnung dass die Menschen merken das es jeden betreffen kann und man Menschen deshalb nicht an den Rand der Gesellschaft degradieren sollte!

    Ich wünsche dir und deinen Kinder, dass ihr ein unbeschwertes Leben führt und du weiterhin so stark bist! Dickes Lob und großes Respekt für den Mut das hier zu schreiben!
    Grüße von der Beere

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  3. Respekt das du den Mut hast so offen darüber zu schreiben. Das schafft nicht jeder und zeigt, daß du stark bist und einen guten Weg eingeschlagen hast.
    Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen wie es damit ist, aber ich kann es in gewisser Weise verstehen.
    Du machst es gut so und bist eine Starke Frau und Mama

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  4. Oh man, ich fühle mit dir. Ich bin froh, dass du mittlerweile zu dir selbst gefunden hast und stolz sein kannst. Narben sind immer Geschichten, die jeder Mensch mit sich trägt. Ob sichtbar oder unsichtbar. Und ich finde es toll, dass du auch vorhast, ehrlich darüber zu erzählen. Denn das gehört zu dir und macht dich zu dem einzigartigen Mensch, der du bist.
    Ich finde dich wunderschön ☺
    Liebe ♥
    Tamina

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  5. Wow, ein ehrlicher und aufrüttelnder Bericht. Diesen Mut aufzubringen darüber offen zu reden oder zu schreiben, zeigt Deine innere Stärke, diese wird Dir auch dabei helfen, das alles zu verarbeiten. Du schreibst die Narben werden heilen, aber sie verschwinden nicht.Genauso ist es, sie werden schwächer werden, jedoch auch immer wieder einmal aufbrechen. Deine Kinder werden Dich für Deine Ehrlichkeit lieben. Bleibe so stark wie Du bist, kämpfe, es lohnt sich.
    Ulrike

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  6. Vielen Dank für diesen tollen Post, er hat mich sehr bewegt. Ich nehme Antidepressiva und bin Frühberentet und muss das natürlich auch bei Ärzten angeben. Ein Zahnarzt sagte mir einmal, 5 Jahre zu Hause wären ja wohl genug u. ich könne jetzt ja wohl so langsam wieder arbeiten. Wohlgemerkt beim ersten Termin dort. Psychische Probleme sind leider immer noch für viele Leute ein Zeichen von Schwäche, dabei müssen die Menschen die damit Leben erst recht stark sein.
    Es freut mich riesig für dich, dass du einen Weg gefunden hast mit deiner Borderline-Störung zu leben. Durch deinen Post habe ich vieles darüber dazu gelernt.
    Ganz ganz viel Glück für dich und deine Kids und viele liebe Grüße :-*

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  7. Ein toller und starker Beitrag, der mich sehr berührt. Ich lebe auch schon seit meiner Kindheit mit diversen psychischen „Störungen“. Es fordert viel Kraft und Mut, Teufelskreis zu durchbrechen. Manches habe auch ich geschafft hinter mir zu lassen, an anderem arbeitet man sein Leben lang. Hut ab vor dir und deiner Stärke. Liebe Grüße, Polly

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